Eckard Wimmer

1936 in Berlin geboren, wurde Eckard Wimmer 1962 zum Dr. rer. nat. in Organischer Chemie an der Universität Göttingen promoviert. Sein Interesse an der Chemie der lebenden Zelle bewog ihn jedoch, zunächst in Vancouver, Kanada, als postdoctoral fellow über transfer Ribonukleinsäuren zu arbeiten. Nach einer weiteren Etappe als Postdoc im Department of Botany in Urbana, Illinois, änderte er nochmals den Schwerpunkt seiner Forschung, um sich auf Tierviren, vor allem das Poliovirus, zu konzentrieren. Dieses Thema fasziniert ihn bis zum heutigen Tag. Da in den siebziger Jahren an den Universitäten in Deutschland wissenschaftliche Virologie vorwiegend von Medizinern durchgeführt wurde, blieb Wimmer, der Chemiker, in den Vereinigten Staaten. Als Assistant Professor, School of Medicine der St. Louis University in St. Louis, Missouri, (1969-74) wurde er 1973 zum Associate Professor befördert. Seit 1974 forscht und lehrt er an der Stony Brook University in Stony Brook, New York. Als Institutsdirektor leitete er die Mikrobiologie der Medizinischen Fakultät von 1984 – 1999. 1994 wurde er Fellow der American Academy of Microbiology, 1998 Fellow der Deutschen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, und 2008 Fellow der American Association for the Advancement of Science. Als Professor der Mikrobiologie seit 1979, wurde Wimmer 2002 zum “Distinguished Professor” ernannt. 2010 wurde er mit der Beijerinck Medaille in Virologie der Royal Netherlands Academy of Arts and Sciences geehrt, und 2012 wurde er in die American National Academy of Sciences berufen.

Als Chemiker war Wimmer stets fasziniert von der Doppelnatur der Viren als Lebewesen und als nicht-lebende Aggregate organischer Makromoleküle. In den 44 Jahren seiner Forschung am Poliovirus hat er eine Reihe von Arbeiten publiziert, die jetzt als wegweisend angesehen werden. Dazu gehört die Aufklärung der Primärstruktur und der Genorganisation des Poliovirus Genoms (1981), die Entdeckung des “internal ribosomal entry site” (IRES) (1987/88), die Charakterisierung des zellulären Rezeptors des Poliovirus (1988 ff.), die erste zellfreie Synthese eines Virus (Poliovirus) in einem Extrakt nicht-infizierter Zellen (1991), und die erste de novo chemisch/biochemische Synthese eines Organismus (Poliovirus) ohne Beteiligung eines natürlichen Templats (2002). Die Synthese des Poliovirus hat in der Folge zur Entwicklung neuer Strategien zur Herstellung viraler Lebend-Impfstoffe (2008) geführt, die auf Computer-konzipierten Genomen basiert (“genetic whole genome recoding”).

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