Robert-Koch-Stiftung vergibt erstmals Preis für Krankenhaushygiene

Von Münster lernen: Hohe Auszeichnung für Helge Karch

4. September 2013

Sie heißen MRSA oder ESBL und immer häufiger beherrschen sie die Schlagzeilen: gefährliche Bakterien, denen mit Antibiotika kaum noch beizukommen ist. Auch in deutschen Krankenhäusern breiten sich multiresistente Krankheitserreger immer weiter aus und fordern Todesopfer. Bislang hat die Hochleistungsmedizin der Bedrohung wenig entgegenzusetzen.

Dass gezielte Gegenwehr sich lohnt, beweist das münstersche Modell für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention. Es zeigt, wie sich die Gefahr eindämmen lässt, wenn exzellente Grundlagenforscher eng mit Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten in einer Region zusammenarbeiten. Die Initiative geht aus von einem jungen Team um Professor Helge Karch von der Universität Münster.

Für seine Pionierleistung hat Helge Karch und sein Team am heutigen Mittwoch, 4. September, den „Preis für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention“ der Berliner Robert-Koch-Stiftung erhalten. Der Direktor des Instituts für Hygiene am Universitätsklinikum Münster ist der erste Preisträger der neu geschaffenen und mit 50.000 Euro dotierten Auszeichnung. Die Übergabe erfolgte im Festsaal des Berliner Rathauses – in Anwesenheit hochrangiger Persönlichkeiten, darunter Thomas Ilka, Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium. Vor der Festveranstaltung hatte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) dem Preisträger bereits persönlich zu der hohen Auszeichnung gratuliert. „Mit ihrem neugeschaffenen Preis leistet die Robert-Koch-Stiftung einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Hygiene und zur Infektionsprävention in deutschen Krankenhäusern“, so Bahr.

„Durch die Verbindung von exzellenter Wissenschaft mit konsequenten Maßnahmen in der klinischen Praxis leisten der Preisträger und sein Team einen vorbildlichen Beitrag zur Verbesserung der Krankenhaushygiene in unserem Land“, sagte Hubertus Erlen, der Vorstandsvorsitzende der Robert-Koch-Stiftung anlässlich der Preisverleihung. Das münstersche Modell vernetzt regionale Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime, niedergelassene Ärzte und Patientenvertreter eng mit dem Universitätsklinikum Münster, um die Ausbreitung gefährlicher Keime zu verhindern. Ein Beispiel: Bei der Einlieferung ins Krankenhaus wird jeder Patient auf MRSA getestet und im positiven Fall so lange isoliert behandelt, bis die Aufnahme auf eine normale Station gefahrlos möglich ist. Am Institut für Hygiene stehen in einem interdisziplinären Team rund hundert Mitarbeiter bereit, um neuartige Keime mit modernen molekularbiologischen Methoden zu untersuchen. Einige dieser weltweit verbreiteten Verfahren, mit denen sich das Gefahrenpotential der Keime bestimmen lässt, wurden von dem Team um Helge Karch entwickelt.

Der Aufwand lohnt sich, wie die Meldedaten in Nordrhein-Westfalen für das Jahr 2011 zeigen: Bezogen auf das gesamte Bundesland kam es dort zu 57,6 Blutstrominfektionen je Million Einwohner durch multiresistente Bakterien vom besonders gefährlichen Typ Staphylococcus aureus (MRSA). Mit 43,2 Blutstrominfektionen je Million Einwohner gab es im Münsterland deutlich weniger dieser schweren Erkrankungen.

Als Nächstes will Helge Karch erforschen, wie bakterielle Erreger von Krankenhausinfektionen es schaffen, sich so verblüffend schnell zu verändern und sich dabei an immer neue Umweltbedingungen anzupassen. „Daneben interessiert uns die Herkunft und Verbreitung dieser Erreger, die auch außerhalb des Menschen, beispielsweise in Tieren, vorkommen“, sagte der Mikrobiologe in Berlin. „Darüber wissen wir noch sehr wenig.“

Das münstersche Modell ist nach Ansicht von Helge Karch auf ganz Deutschland übertragbar. Wichtig seien der Wille zur regionalen Vernetzung und interdisziplinären Zusammenarbeit sowie eine gezielte Forschungsförderung. „Leider gibt es nicht mehr viele Hygiene-Institute in Deutschland. Aber ich kenne weltweit kein besseres Gesundheitssystem als das hiesige, also warum sollten wir es nicht schaffen, die Krankenhaushygiene zu verbessern?“

Der Robert-Koch-Preis für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention wird finanziell von der B. Braun Melsungen AG unterstützt.

INFORMATIONEN ZUM PREIS

Robert Koch hat sich sowohl der medizinischen Grundlagenforschung als auch der angewandten Infektionsbekämpfung gewidmet. Die Robert-Koch-Stiftung fühlt sich diesem Erbe ihres Namensgebers verpflichtet und schreibt deshalb erstmals in 2013 einen mit 50.000 Euro dotierten Preis für hervorragende wissenschaftliche Arbeiten und praktische Maßnahmen auf dem Gebiet der Krankenhaushygiene und Infektionsprävention aus. In Deutschland erkranken jährlich ca. eine halbe Million Patienten an Krankenhausinfektionen mit über 10.000 tödlichen Ausgängen. Diese Zahlen weisen darauf hin, dass die Hochleistungsmedizin an ihre Grenzen stößt. Die Verbesserung der Umsetzung krankenhaushygienischer Maßnahmen und die Entwicklung neuer Strategien zur Therapie und Prävention von nosokomialen Infektionen sind daher dringend erforderlich. Ziel des Preises ist, beispielhafte Leistungen auf dem Gebiet der Krankenhaushygiene und der Infektionsprävention sichtbar zu machen. Der Preis soll als Ansporn dienen, durch neue wissenschaftliche und anwendungsorientierte Projekte den Hygienestandard in unseren Krankenhäusern zu verbessern.

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