Den genetischen Ursachen von Infektions- und angeborenen Immunschwächekrankheiten auf der Spur

24. Juni 2014

Professoren Casanova und Fischer erhalten Robert-Koch-Preis zu gleichen Teilen, Professor Bujard die Robert-Koch-Medaille in Gold

Die Robert-Koch-Stiftung e. V. verleiht den mit 100.000 € dotierten Robert-Koch-Preis 2014 zu gleichen Teilen an die Professoren >> Jean-Laurent Casanova, Rockefeller University / Howard Hughes Medical Institute, New York, USA, und >> Alain Fischer, Collège de France und Imagine Institute, Hôpital Necker-Enfants Malades, Paris, Frankreich. Die beiden Wissenschaftler werden für ihre bahnbrechenden Arbeiten zum Verständnis von Wirtsgenen und ihren Produkten bei Infektionskrankheiten geehrt. Professor emeritus >> Hermann Bujard, Zentrum für Molekulare Biologie der Universität Heidelberg, erhält für sein Lebenswerk, insbesondere in der Erforschung der Malariainfektion, die Robert-Koch-Medaille in Gold.

Die Preise werden am 14. November 2014 in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen eines Festakts voraussichtlich von Hermann Gröhe, Bundesminister für Gesundheit, überreicht.

„Löcher“ in der Immunabwehr

Prof. Dr. Jean-Laurent Casanova ist Leiter des St. Giles Laboratory of Human Genetics of Infectious Disease an der Rockefeller University, New York, USA. Der pädiatrische Immunologe ging der Frage nach, warum einige Kinder nach Kontakt mit bestimmten Erregern schwere Infektionskrankheiten entwickeln, die meisten anderen aber nicht. In seinen bahnbrechenden Forschungsarbeiten entdeckten Casanova und seine Mitarbeiter bei ansonsten gesunden Kindern „Löcher“ in der Immunabwehr, die sie für bestimmte, teilweise lebensbedrohliche Infektionskrankheiten empfänglich machen. Ursache dieser „Löcher“ sind angeborene Mutationen in einem einzelnen Gen, welche die Anfälligkeit für bestimmte Infektionen bewirken, beispielsweise Mykobakterien-Erkrankungen, Herpes-simplex-Virus-Enzephalitis, invasive Pneumokokken-Erkrankungen, chronische mukokutane Candidiasis oder Kaposi-Sarkom.
Praktische Umsetzungen dieser grundlegenden Erkenntnisse umfassen die molekulare Diagnostik und genetische Beratung für die Patienten und ihre Familien sowie die Entwicklung von zielgerichteten Therapien mit rekombinanten Zytokinen, um eine mangelhafte Immunantwort wiederherzustellen.

Auch der zweite Preisträger, Prof. Dr. Alain Fischer, Direktor des Forschungsinstituts für genetische Krankheiten am Hôpital Necker-Enfants Malades, Paris, Frankreich, beschäftigt sich mit der Aufdeckung von „Löchern“ bzw. Fehlschaltungen im Immunsystem: den angeborenen Immundefekten. Seine richtungsweisenden Forschungsarbeiten und die von ihm entwickelten Verfahren machen ihn zu einem Pionier auf dem Gebiet der Gentherapie. So hat der pädiatrische Immunologe als erster Wissenschaftler die Gentherapie bei jungen Patienten mit schwerer kombinierter Immundefizienz (gc SCID) erfolgreich eingesetzt.

Seine hauptsächlichen Forschungsgebiete liegen neben der Gentherapie und der Genetik immunologischer Krankheiten auf der Erforschung des lymphatischen Systems, das bei der Immunabwehr von Krankheitserregern eine wesentliche Bedeutung hat.

Schwerpunkt Malaria-Vakzine

Die Erforschung von Mechanismen, welche die Aktivität von Genen kontrollieren, sowie ihre praktische Umsetzung auch zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten sind die Forschungsschwerpunkte von Professor emeritus Dr. Hermann Bujard, Zentrum für Molekulare Biologie der Universität Heidelberg, der für sein Lebenswerk mit der Robert-Koch-Medaille in Gold geehrt wird. Bereits 1983 initiierte er als Leiter der Biologischen Forschung bei Hoffmann-La Roche ein erstes Forschungsprogramm zur Entwicklung eines Impfstoffs gegen Malaria. Ende 1985 wurde Bujard als Direktor für den weiteren Aufbau des heute weltweit renommierten Zentrums für Molekulare Biologie (ZMBH) nach Heidelberg berufen.

Dort erforscht Bujard weiterhin in Zusammenarbeit auch mit westafrikanischen Kollegen ein Malaria-Vakzin, dessen klinische Erprobung unmittelbar bevorsteht. Die im Bujard-Labor entwickelten „Genschalter“ haben in der biomedizinischen Forschung breite Anwendung gefunden, so auch bei der Entwicklung neuer Medikamente gegen AIDS und Hepatitis B sowie bei neuartigen Strategien zur Bekämpfung von durch Insekten übertragenen Infektionskrankheiten, wie das sich zur Zeit weltweit ausbreitende „Dengue-Fieber“.

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