Rafi Ahmed

Robert-Koch-Preis 2017, gemeinsam mit Antonio Lanzavecchia

Rafi Ahmed erhält den Robert-Koch-Preis für seine wegweisenden Studien zum immunologischen Gedächtnis und zur „Erschöpfung“ von T-Gedächtniszellen, die sich auch für die klinische Forschung und Behandlung als überaus fruchtbar erwiesen haben. Die Frage, wie „Gedächtniszellen“ die Erinnerung an eine einmal erlernte Immunreaktion zeitlich praktisch unbegrenzt speichern können, wurde zum Leitmotiv seiner Forschungstätigkeit. Mehrere Arbeiten waren regelrechte „Gamechanger“, mit denen Ahmed eine radikale Abkehr von vermeintlich gesicherten Glaubenssätzen vollzog. Dies gilt beispielsweise für den Nachweis, dass virusspezifische CD8-T-Gedächtniszellen keineswegs eines permanenten Stimulus durch geringe Mengen entsprechender Antigene bedürfen, wie man noch bis zur Mitte der 90er Jahre glaubte. Es handelt sich vielmehr um eine diesen Zellen selber innewohnende („inhärente“) Eigenschaft, die es ihnen ermöglicht, bei einer erneuten Infektion mit dem gleichen Krankheitserreger schneller und effektiver zu reagieren. Zudem fand Ahmed im Knochenmark langlebige Plasmazellen, die dafür sorgen, dass Antikörperantworten nach Infektionen oder Impfungen dauerhaft aufrechterhalten werden.

Meilensteine waren seine Entdeckung eines „Erschöpfungszustands“, in den T-Zellen durch die anhaltende Stimulation bei einer chronischen Virusinfektion geraten, sowie der Nachweis, dass diese Bremswirkung hauptsächlich auf den hemmenden („inhibitorischen“) Einfluss des „PD-1“- Rezeptors zurückzuführen ist. Dass chronische Infektionen mit einer verringerten T-Zell-Immunität einhergehen, war bekannt. Man hatte angenommen, dass die virus-spezifischen T-Zell-Antworten bei chronischen Infektionen entweder gar nicht mehr generiert oder diese T-Zellen dabei zerstört würden. Auch bei einer chronischen Infektion sind jedoch sehr wohl virusspezifische CD8-T-Zellen vorhanden, wie Ahmed zeigen konnte. Nur können sie ihre Abwehrfunktion nicht mehr erfüllen. Mit einem Mal tat sich die Möglichkeit auf, diesen „erschöpften“ T-Zellen neues Leben einzuhauchen und ihre Funktionsfähigkeit wiederherzustellen. Ahmed konnte anschließend nachweisen, dass „erschöpfte“ CD8-T-Zellen den hemmenden „PD-1“- Rezeptor verstärkt exprimieren und sich ihre Funktion durch eine In vivo-Blockade des inhibitorischen Signalwegs wiederherstellen lässt – mit der Folge einer Viruskontrolle. Diese Verknüpfung von T-Zell-Erschöpfung und „PD-1“ trieb die Entwicklung von gegen „PD-1“ gerichteten Immunotherapien bei chronischen Infektionen und Krebs maßgeblich voran. „PD-1“- Inhibitoren wurden bereits klinisch getestet und für die Behandlung verschiedener Tumorerkrankungen zugelassen, darunter Lungen-, Haut- und Blasenkrebs.
Für Rafi Ahmed ist das Potential dieser neuen Behandlungsstrategien noch längst nicht ausgeschöpft. In seinem Labor ist man aktuell auf der Suche nach weiteren Faktoren, die bei chronischen Erkrankungen als „Immunbremse“ fungieren und sich für eine Kombinationstherapie mit der „PD1“-Blockade eignen, wozu auch therapeutische Impfstoffe gehören. Parallel zu seinen grundlegenden Entdeckungen brachte Ahmed an der Emory University in Atlanta eines der weltweit größten Impfforschungszentren auf den Weg, das sich u.a. bei der Suche nach Vakzinen gegen HIV, Hepatitis, Tuberkulose, Malaria sowie einem universalen Grippeimpfstoff engagiert.

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