Christopher T. Walsh

Robert-Koch-Medaille 2017

Christopher T. Walsh gehört zu den Vätern der „Chemischen Biologie“, einer jungen Disziplin an der Schnittstelle von Chemie, Biologie und Medizin. Mit über 800 Publi-kationen trug Walsh, der sich schon früh auf enzymatische Reaktionen spezialisierte, maßgeblich zur Entschlüsselung der „Chemie des Lebens“ bei. Bahnbrechend waren seine Studien zur Funktionsweise von Antibiotika und den molekularen Mechanismen der Antibiotika-Resistenz. Bereits am Anfang der 90er Jahre konnte Walsh nachweisen, dass Enterokokken nur ein Enzym aus ihrer Zellwand („D-Ala-D-Ala-Ligase“) ein wenig verändern müssen, um die Wirksamkeit des Antibiotikums Vancomycin um das Tausendfache zu verringern.
Zu wissen, dass die Ergebnisse seiner Arbeit auch medizinische Konsequenzen hatten, etwa bei der Suche nach neuen Antibiotika oder Immunmodulatoren, habe er immer als besonders befriedigend empfunden, bekannte Walsh eben erst in einem persönlichen Rückblick auf sein bewegtes Forscherleben.* Wegweisend waren seine Studien zur Blockade enzymatischer Reaktionen durch Hemmstoffe („Selbstmordsubstrate“) oder zur Produktion von selektiv Eisen-Ionen bindenden „Siderophoren“ durch Enterobakterien. Schließlich setzte sich Walsh intensiv mit den allgemeinen Regeln bei der Biosynthese natürlicher Moleküle auseinander, darunter eine Fülle von pharmakologisch wirksamen Substanzen. Kollegen aus den unterschiedlichsten Disziplinen gab Walsh damit das notwendige Rüstzeug für die eigene Arbeit an die Hand. Auch nach Jahrzehnten kann dieser herausragende Forscher noch staunen über die „atemberaubend simple Logik“, nach der mit Hilfe von Enzymen aus einfachen chemischen Grundbausteinen Hunderttausende von strukturell und funktionell ganz unterschiedlichen Molekülen zusammengesetzt werden. In Anlehnung an den Physiknobelpreisträger Frank Wilczek spricht Walsh in diesem Zusammenhang von der „Schönheit im Herzen der Natur“.

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