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Aktuelle Presse-Information

 

Didier Pittet erhält den Robert-Koch-Preis für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention 2017

Vor 25 Jahren legte der Preisträger den Grundstein für eine der erfolgreichsten WHO-Kampagnen zum Schutz der Patientensicherheit

20. September 2017

Für seine bahnbrechenden Leistungen bei der Förderung einer besseren Händehygiene zur Vermeidung nosokomialer Infektionen hat der Schweizer Mediziner >>Professor Didier Pittet den „Preis für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention 2017“ der Berliner Robert-Koch-Stiftung erhalten. Der Leiter der Abteilung für Krankenhaushygiene an den Genfer Universitätskliniken und Externe Leiter des WHO-Programms „Clean Care is Safer Care“ ist nach Professor Helge Karch (Münster) und Professorin Petra Gastmeier (Berlin) der dritte Preisträger der 2013 geschaffenen und mit 50.000 Euro dotierten Auszeichnung.

Den Preis überreichte Lutz Stroppe, Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit, während eines Festakts am 20. September 2017 in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Berlin: „Händehygiene im Krankenhaus ist das A und O, wenn es um den Schutz der Patienten vor gefährlichen Infektionen geht. Es freut mich daher ganz besonders, dass der diesjährige Preis für Krankenhaushygiene dem international anerkannten Experten Professor Didier Pittet verliehen wird. Mit seiner Arbeit zur Verbesserung der Händehygiene leistet Professor Pittet einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Patientensicherheit.“

Millionen Menschen sterben jedes Jahr an so genannten „nosokomialen“ Infektionen, die sie sich in Kliniken oder Pflegeeinrichtungen zuziehen. Allein in den USA könnte die Zahl bei jährlich bis zu 200.000 liegen, fürchtet Professor Didier Pittet: „Das entspricht in etwa so vielen Menschen, als würde jeden Tag ein Jumbo-Jet abstürzen.“ Trotzdem kann der Schweizer Mediziner stolz sein auf die bereits erzielten Erfolge. Die von ihm geleitete WHO-Kampagne „Clean Care is Safer Care“ nimmt für sich in Anspruch, fünf bis acht Millionen Menschen pro Jahr das Leben zu retten. Unter dem Motto „SAVE LIVES: Clean Your Hands“ hat sie sich die verbesserter Händehygiene als eine zentrale Forderung auf die Fahnen geschrieben. In mehr als 50 Ländern gibt es mittlerweile nationale Kampagnen wie „Aktion Saubere Hände”, „Mission Mains Propres“ oder „STOP! Clean your hands“. Fast 20.000 Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen aus 177 Ländern oder Regionen – von A (wie Afghanistan) bis Z (wie Zimbabwe) – haben sich als registrierte Teilnehmer verpflichtet, die konsequente Händedesinfektion in den klinischen Alltag fest zu integrieren. Für Didier Pittet ist damit das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht: „Unser Ziel ist es, dass sich unserer Kampagne jedes einzelne Krankenhaus auf der ganzen Welt anschließt.“

Vor genau 25 Jahren, 1992, war Didier Pittet als neuer Direktor des Programms für Infektionskontrolle an den Genfer Universitätskliniken mit dem Problem der mangelhaften Händehygiene zum ersten Mal in verantwortlicher Position konfrontiert worden. Er wollte verstehen, warum die Compliance auch 150 Jahre nach Einführung der hygienischen Händedesinfektion durch Ignaz Semmelweis immer noch dermaßen zu wünschen übrig ließ. Vor allem eine Lektion hat er dabei gelernt, nämlich, dass Vorschriften alleine nicht reichen, um Menschen dazu zu bewegen, dasjenige zu tun, von dem sie eigentlich wissen, dass es richtig und vernünftig wäre. „Denken Sie an Autos und Sicherheitsgurte! Einen Sicherheitsgurt im Auto zu haben, heißt noch lange nicht, dass Sie ihn auch benutzen!“

Damals wusch man sich die Hände noch mit Wasser und Seife, was ein bis zwei Minuten in Anspruch nehmen konnte. Pittet setzte sich mit einem Klickzähler auf die Intensivstation. Er kam zu dem Schluss, dass eine Intensivschwester bei der großen Zahl von Patientenkontakten nahezu die Hälfte ihrer Arbeitszeit mit Händewaschen beschäftigt wäre, würde sie sich streng an die Regularien halten. Daraufhin führte Pittet in der Genfer Klinik ein alkoholisches Desinfektionsmittel ein. Sich damit die Hände einzureiben, dauerte nur 10 bis 15, maximal 30 Sekunden. Außerdem tötete es die Keime auf der Haut sehr viel effektiver ab als die herkömmliche Seife. Pittet machte die Alkohollösung allgemein verfügbar, auf allen Stationen wurden Dispenser direkt an den Krankenbetten installiert. Alle Ärzte und Pflegekräfte bekamen außerdem kleine Kittelflaschen. Überall auf den Klinikfluren wurden von den MitarbeiterInnen selber entworfene Poster aufgehängt, die zeigten, wie man die Hände richtig desinfiziert.

Der Erfolg ließ nicht auf sich warten. Die Compliance bei der Händehygiene verbesserte sich von 48 % auf 66 % Prozent – so das Ergebnis einer im Jahre 2000 im Fachblatt „Lancet“ veröffentlichten Studie aufgrund von mehr als 20.000 beobachteten Situationen, die Maßnahmen zur Händehygiene erforderten. Die Rate nosokomialer Infektionen sank über einen Zeitraum von drei Jahren um mehr als 40 Prozent; bei Infektionen durch Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) betrug der Rückgang sogar mehr als 50 Prozent. Hunderte von Menschenleben wurden auf diese Weise gerettet – und zugleich Millionensummen eingespart.

Das Beispiel machte Schule. Als erstes Land warb Großbritannien seit 2004 flächendeckend für das „Genfer Modell der Händehygiene“. Wenig später übernahm Professor Didier Pittet die externe Leitung des WHO-Programms „Clean Care is Safer Care“. Zusammen mit internationalen Experten wurden globale Leitlinien formuliert, die sich an der in Genf entwickelten multimodalen Strategie orientierten. Auf großformatigen Plakaten in vielen verschiedenen Sprachen und Dialekten, die auch auf unterschiedliche kulturelle und religiöse Kontexte Rücksicht nahmen, wurden die wesentlichen Handgriffe anschaulich erklärt. „Respekt vor dem religiösen Hintergrund und der kulturellen Vielfalt ist der Schlüssel zum Erfolg“, weiß Professor Didier Pittet.

2014 wurde die alkoholische Lösung zur Händedesinfektion in die Liste der „unentbehrlichen Arzneimittel“ der WHO aufgenommen. Um die Kosten vor allem in den ärmeren Regionen zu senken, entwickelte Didier Pittet zusammen mit Fachkollegen der WHO eine lizenzfrei vergebene Rezeptur – die so genannte WHO-Alkohol-basierte Formulierung – nach der in mittlerweile mehr als 60 Ländern alkoholische Händedesinfektionsmittel auf der Basis von Bioäthanol aus Anbaupflanzen wie Zuckerrohr, Mais, Maniok, Reis oder Kartoffeln hergestellt werden. Solche vor Ort fast umsonst verfügbaren Präparate kamen auch beim jüngsten Ebola-Ausbruch in Liberia zum Einsatz.

Informationen zum Preis

In Deutschland erkranken jährlich ca. 500.000 Patienten an Krankenhaus-infektionen. Diese Zahl weist darauf hin, dass die Hochleistungsmedizin an ihre Grenzen gestoßen ist. Die Verbesserung der Umsetzung krankenhaushygienischer Maßnahmen und die Entwicklung neuer Strategien zur Therapie und Prävention von nosokomialen Infektionen sind daher dringend erforderlich. Deshalb hat die Robert-Koch-Stiftung 2013 den „Preis für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention“ ins Leben gerufen. Ziel des Preises ist, beispielhafte Leistungen auf dem Gebiet der Krankenhaushygiene und der Infektionsprävention sichtbar zu machen. Der Preis soll als Ansporn dienen, durch neue wissenschaftliche und anwendungsorientierte Projekte den Hygienestandard in unseren Krankenhäusern zu verbessern.

Der Robert-Koch-Preis für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention wird finanziell von B. Braun Melsungen AG und BARMER unterstützt.

Über die Robert-Koch-Stiftung

Die Robert-Koch-Stiftung e.V. ist eine gemeinnützige Stiftung zur Förderung des medizinischen Fortschritts mit Sitz in Berlin. Sie fördert die wissenschaftliche Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Infektionskrankheiten sowie beispielhafte Projekte zur Lösung medizinischer und hygienischer Probleme. Die Stiftung vergibt alljährlich mehrere hochrangige wissenschaftliche Auszeichnungen: den Robert-Koch-Preis, der zu den höchstrangingen wissenschaftlichen Auszeichnungen in Deutschland zählt, die Robert-Koch-Medaille in Gold, drei Auszeichnungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs und seit 2013 den Preis für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention.

Robert Koch (1843 – 1910), nach dem der Preis benannt ist, hat die moderne Bakteriologie begründet. Dafür erhielt er im Jahr 1905 den Nobelpreis für Medizin und Physiologie. Koch leitete von 1891 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1904 das Institut für Infektionskrankheiten in Berlin.

Ihre Ansprechpartnerin bei der Robert-Koch-Stiftung e. V.:
Christine Howarth, Tel: +49 (0)30-468-11599, Email: info@robert-koch-stiftung.de

Fotos der Preisverleihung finden Sie unter:
www.robert-koch-stiftung.de/VerleihungdesHygienepreises2017

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