Rino Rappuoli erhält Robert-Koch-Preis 2019, Robert-Koch-Medaille in Gold geht an Martin J. Blaser

15. November 2019

Berlin – Die Robert-Koch-Stiftung hat heute den mit 120.000 Euro dotierten Robert-Koch-Preis 2019 an Professor Rino Rappuoli, Chief Scientist und Head of External Research and Development (R&D) bei GlaxoSmithKline (GSK) Vaccines in Siena, Italien, verliehen.

Professor Martin J. Blaser, Direktor des Center for Advanced Biotechnology and Medicine (CABM) der Rutgers Biomedical and Health Sciences (RBHS), Henry Rutgers Chair of the Human Microbiome und Professor für Medizin und Mikrobiologie an der Rutgers Robert Wood Johnson Medical School in New Jersey, USA, erhält die Robert-Koch-Medaille in Gold für sein Lebenswerk.

Die Preise überreichte Dr. Thomas Steffen, Staatssekretär des Bundesministeriums für Gesundheit, während eines Festakts in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Berlin.

 
Rappuoli wurde mit dem Robert-Koch-Preis für seine bahnbrechenden Arbeiten zur Entwicklung neuartiger Impfstoffe ausgezeichnet. In seiner Laudatio würdigte Professor Peter Palese von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai, New York, die arbeiten Rappuolis: „Mit einem neuen Verfahren zur Herstellung von Impfstoffen hat Rino Rappuoli Medizingeschichte geschrieben. Er hat Erkenntnisse aus der Grundlagenwissenschaft erfolgreich in kommerzielle Impfprodukte überführt und war damit in einem Punkt erfolgreich, an dem viele Wissenschaftler gescheitert sind.“

Laudator Professor Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch Instituts, hob die Leistungen des Goldmedaillen-Preisträgers Martin J. Blaser hervor: „Sein Forschungsinteresse gilt dem besseren Verständnis der Beziehung zwischen Mikroorganismen und dem Menschen, der ihnen dauerhaft als Wirt dient. So ist ihm der bewusste Umgang mit Antibiotika ein großes Anliegen, denn seine Forschungsergebnisse deuten auf erhebliche gesundheitliche Folgen des Missbrauchs von Antibiotika in den kritischen Phasen kindlicher Entwicklung hin. So werden Teile unseres ursprünglichen Mikrobioms ausgelöscht, und dies ist ein Risikofaktor für die Entwicklung verschiedener Erkrankungen wie bspw. Asthma oder Adipositas“.

 
Postdoktorandenpreise für den wissenschaftlichen Nachwuchs

Während des Festaktes wurden ebenfalls drei mit je 5.000 Euro dotierten Postdoktorandenpreise der Robert-Koch-Stiftung für herausragende Arbeiten des wissenschaftlichen Nachwuchses verliehen. Vorgeschlagen wurden die Kandidatinnen und Kandidaten von den deutschen Gesellschaften für Hygiene und Mikrobiologie, Immunologie und Virologie.

Den Postdoktorandenpreis für Virologie erhielt Dr. Henning Grüll, Institut für Virologie, Uniklinik Köln, in Anerkennung seiner Arbeiten zu HIV-Infektionen. Grüll hat sich auf die Untersuchung von immunologischen Grundprinzipien zur effektiven Vorbeugung und Behandlung von Virusinfektionen spezialisiert. Er untersucht die Immunantwort auf infektiöse Krankheitserreger und hat neue Prinzipien für HIV-1-Impfstoffe und -Therapien entdeckt.

Dr. Anna Müller, Institut für Pharmazeutische Mikrobiologie, Universität Bonn, bekam den Postdoktorandenpreis für Mikrobiologie für ihre Arbeiten zur Antiinfektiva-Forschung. Sie hat unter anderem herausgefunden, dass Daptomycin die Membranfluidität verändert und dass Teichonsäure-Epimerasen sehr gute Zielstrukturen für Antibiotika darstellen. Daptomycin ist eine der wirksamsten antibakteriellen Substanzen auf dem Markt und wird vor allem zur Behandlung von grampositiven Problemkeimen wie MRSA eingesetzt. Der genaue Wirkmechanismus des Antibiotikums war jedoch lange Zeit unklar. Die Forschungen von Dr. Müller haben nun zu dessen Aufklärung beigetragen. Sie hat gezeigt, dass Daptomycin unter anderem die Lipidorganisation der Membran durcheinanderbringt. Es modifiziert die fluiden Membranbereiche so, dass manche Proteine nicht mehr an der Membran binden können und sich von ihr lösen.

Der Postdoktorandenpreis für Immunologie ging an Dr. Daniel Utzschneider, The Peter Doherty Institute für Infection and Immunity, University of Melbourne, Australien, in Anerkennung seiner Arbeiten zur T-Zell-Immunologie. Utzschneider hat sich mit der T-Zell-Immunantwort, insbesondere der Entwicklung und Exhaustion von Gedächtnis-T-Zellen bei akuten und chronischen Virusinfektionen wie dem Lymphozytären Choriomeningitis Virus (LCMV) auseinandergesetzt. Er hat einen Paradigmenwechsel auf dem Gebiet der T-Zell-Immunologie eingeläutet. Er beschrieb und bewies ein neues Modell, in dem T-Zellen Differenzierungs- und Funktionsspezialisierungsprozesse bei chronischen Infektionen durchlaufen. Er zeigte, dass T-Zellen bei einer chronischen Infektion bestimmte funktionelle Aspekte verlieren, aber gleichzeitig kritische funktionelle Aspekte erhalten bleiben.

 
Über die Robert-Koch-Stiftung

Die Robert-Koch-Stiftung e. V. ist eine 1907 gegründete gemeinnützige Stiftung zur Förderung des medizinischen Fortschritts mit Sitz in Berlin. Sie fördert die wissenschaftliche Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Infektionskrankheiten sowie beispielhafte Projekte zur Lösung medizinischer und hygienischer Probleme. Die Stiftung vergibt alljährlich mehrere hochrangige wissenschaftliche Auszeichnungen: den Robert-Koch-Preis, der zu den höchstrangingen wissenschaftlichen Auszeichnungen in Deutschland zählt, die Robert-Koch-Medaille in Gold, drei Auszeichnungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs und seit 2013 den Preis für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention.

Robert Koch (1843 – 1910), nach dem der Preis benannt ist, hat die moderne Bakteriologie begründet. Dafür erhielt er im Jahr 1905 den Nobelpreis für Medizin und Physiologie. Koch leitete von 1891 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1904 das Institut für Infektionskrankheiten in Berlin.

 
Kontakt:
Christine Howarth, Tel: +49 (0)30-468-11599, E-Mail: info@robert-koch-stiftung.de

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